Klimawandel?!

09

Okt.

Jedes Zehntelgrad zählt

Experteneinschätzung: Klimamaßnahmen, Armutsbekämpfung und wirtschaftliche Entwicklung sind miteinander vereinbar

Der Weltklimarat hat heute seinen Sonderbericht zu den Folgen einer Erderhitzung um 1,5 Grad vorgestellt. Die Klima-Allianz Deutschland und der Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO) erwarten, dass von dem Bericht ein deutlicher Weckruf in Richtung Politik ausgeht. Die Bundesregierung muss sich nach Ansicht der Verbände dringend mit einer konsequenten Politik für jedes Zehntelgrad weniger Erderhitzung einsetzen. Die weltweit führenden Klimaforscher legen in dem Bericht dar, wie die Erderwärmung auf 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter begrenzt werden kann.

Der Klima-Experte des Verbands für Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO) Sven Harmeling: „Der von den Regierungen abgesegnete Sonderbericht des Weltklimarats zeigt: Viele der massiven Folgen der globalen Erderwärmung können deutlich abgemildert werden, wenn der Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius begrenzt wird – was auch im Pariser Abkommen vorgesehen ist. Bereits jetzt bekommen die Entwicklungsländer die extremen Auswirkungen des Klimawandels zu spüren. Dort werden die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen ihrer allgemeinen Grundrechte beraubt. Gleichzeitig belegt der Bericht des Weltklimarats, dass Klimamaßnahmen, Armutsbekämpfung und wirtschaftliche Entwicklung miteinander vereinbar sind. Es wäre inakzeptabel und liefe auf einen Bruch des Pariser Abkommens hinaus, wenn die Bundesregierung und der Bundestag den Handlungsnotwendigkeiten, die der Weltklimarat in seinem Sonderbericht darlegt, keine Taten folgen ließen. Bundeskanzlerin Merkel muss die Blockade für höhere EU-Klimaziele vor dem morgigen Umweltministertreffen umgehend beenden. Zudem muss ein zügiger Kohleausstieg eingeleitet werden. Die Zeit für mehr Klimaschutz mit einer entsprechenden Finanzierung für die Entwicklungsländer ist jetzt – nicht in zehn Jahren. Die Forderung nach einem schnellen Ausstieg aus der Braunkohle und nach mehr Klimaschutz findet auch große Unterstützung in der Bevölkerung, wie die Großdemonstration im Hambacher Forst am Wochenende gezeigt hat.“

KlimaDr. Christiane Averbeck, Geschäftsführerin der Klima-Allianz Deutschland, erklärt dazu: „Der Bericht des Weltklimarates ist einschneidend in seiner politischen Bedeutung. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob wir es schaffen, die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Jedes Zehntelgrad weniger Erderhitzung zählt. Dafür müssen wir radikal den Ausstoß an Treibhausgasen senken. Es ist besser, jetzt in Klimaschutz zu investieren als nachher Verluste zu beklagen und für Schäden aufkommen zu müssen. Je früher wir damit anfangen, desto einfacher wird es. Wir brauchen einen konsequenten Ausstieg aus der Kohleverstromung zusammen mit einer beschleunigten Energiewende, die rapide Senkung des CO2-Ausstoßes im Verkehr und eine nachhaltige Landwirtschaft. Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie die Forschungsergebnisse ernstnimmt und ambitionierter Klimaschutz an erste Stelle rückt. Wir müssen dafür nicht auf zukünftige Technologien warten. Wir haben das Wissen und die Mittel. Packen wir es an!“


Dr. Bernd Bornhorst, Vorsitzender von VENRO: „Wir wissen schon jetzt, dass wir auf eine Erderwärmung über drei Grad zum vorindustriellen Niveau zusteuern, wenn wir alle gegenwärtigen Klimapläne umsetzen. Insofern hat dieser Bericht eine existenzielle Tragweite. Von der Bundesregierung erwarten wir dann, dass sie sofort, wirksam und enorm ambitioniert handelt und endlich wieder eine Vorreiterrolle einnimmt, da die Industrieländer Hauptverursacher des menschengemachten Klimawandels sind. Sie tragen eine ethische Verpflichtung gegenüber Betroffenen in den ärmsten Ländern, die durch extreme Wetterereignisse ihr zu Hause verlieren und zur Migration gezwungen werden. Durch saubere Luft, gesunde Ernährung, gestärkte Ökosysteme und geschützte Böden tragen wir zu nachhaltiger Entwicklung und damit zur Bekämpfung der weltweiten Armut bei. Darum fordern wir den politischen Willen der Bundesregierung, sich jetzt für weitgreifenden Klimaschutz und für jedes Zehntelgrad weniger Erderwärmung einzusetzen.“

Der Bericht wird wissenschaftlich darlegen, wie sich eine globale Erwärmung von 1,5 Grad auf das Klima, die Ökosysteme und menschliche Gesellschaften auswirken könnte. Gleichzeitig wird er Szenarien aufzeigen, mit welchen Folgen bei einer Erderwärmung von zwei Grad zu rechnen ist.

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