Kuh

28

Aug.

Die Kuh als Sparschwein

In Südafrika boomt das "Crowd farming"

Knappe Kasse macht erfinderisch: In Südafrika stoßen originelle Investitionsmodelle für kleine Sparer auf wachsende Nachfrage. Selbst Bewohner von Townships profitieren von den Angeboten. Ohne "Lobola" keine Hochzeit! Der Brautpreis ist bei Südafrikas indigenen Volksgruppen fester Bestandteil jeder Vermählung. Seit Jahrhunderten wird die Familie der Braut in Kühen ausbezahlt - so will es die Tradition. Ein Südafrikaner hat dieses tierische Finanzmodell nun verfeinert und für alle zugänglich gemacht: die Kuh als Sparanlage.

Das Sparmodell setzt auf digitale Technik, konkret auf die App "MyFarmbook". Wer sich das Programm auf sein Smartphone holt und den entsprechenden Betrag auflädt, kann gleich loslegen und Kühe mieten. Nicht virtuell. Die Tiere existieren in der realen Welt, wo sie auf insgesamt fünf Farmen in ganz Südafrika untergebracht sind. Investoren können sich für einen Sechs- oder Zwölf-Monatsplan entscheiden. Bei der kürzeren Variante mietet man ein Kalb für umgerechnet 680 Euro. Das hat nach einem halben Jahr etwa 200 Kilo erreicht und kann gewinnbringend verkauft werden. Bei der längeren Sparversion investiert man für 1.100 Euro in eine schwangere Kuh, deren Kalb später Gewinn abwirft. Für das kleinere Portemonnaie gibt es die Möglichkeit, Anteile an einer Kuh zu erwerben. Die kosten rund 35 Euro.

"Crowd farming" nennt sich dieses Konzept, das in Südafrika immer populärer wird. Dabei investieren Menschen, die eigentlich gar keine Ahnung von Landwirtschaft haben, größere oder kleinere Beträge über eine entsprechende Plattform. Die wiederum finanziert einen fachmännisch geführten, profitablen Bauernhof. Der Gewinn für die Mini-Investoren liegt bei fünf bis 14 Prozent. "In Vieh zu investieren, liegt jedem Afrikaner im Blut. Es ist nicht nur ein lebendiges, atmendes, laufendes Wirtschaftsgut, das hohe Gewinne abwirft - es macht auch stolz", heißt es in der Broschre für künftige Investoren von "Livestock Wealth".

Das Mutterunternehmen von "MyFarmbook" wurde vor vier Jahren von Ntuthuko Shezi gegründet - und befindet sich auf Erfolgskurs. Mittlerweile umfasst sein Investitionskapital mehr als 2.000 Kühe. Doch wie mit jeder Anlage, geht auch mit den Kühen ein Risiko einher. Die internationalen Finanzmärkte beeinflussen die Gewinne weniger, wohl aber die aktuelle Nachfrage nach Rindfleisch, schwankende Futterpreise und Umweltfaktoren wie Dürren. Wer sein Portfolio erweitern will, greift auf die App "Impact Farming" zurück. Dort kann man bereits ab 30 Euro mit einem Klick auf den Touchscreen in Landwirtschaft oder erneuerbare Energien investieren. "Zu Beginn umfasste die Auswahl Blaubeer-Felder, Bienenstöcke, die nachhaltigen Honig produzierten, und urbane Solarfarmen", berichtet das südafrikanische Magazin "Businesstech".

Der Chef des Konzerns FedGroup, Grant Field, ist überzeugt: "Das Beste an dieser App liegt darin, dass sie extra Einkommen verschafft, während man seinen regulären Job weitermacht. Außerdem bietet sie die Möglichkeit, das Investmentportfolio zu streuen." Südafrika besitzt die zweitgrößte Wirtschaft des Kontinents. Dennoch lebt mehr als die Hälfte der Bewohner in Armut. Ob in dem Schwellenstaat gerade deshalb nicht alltägliche Sparmodelle so beliebt sind? Ungewöhnlich ist jedenfalls auch das Projekt "Puno". Dabei werfen 40 Mitglieder monatlich 50 Euro in einen gemeinsamen Topf. Das ist nicht nur Startkapital für Jungunternehmer, auch eine Fabrik für Küchen- und Toilettenpapier soll mithilfe des Ersparten entstehen. Die Kleininvestoren versprechen sich große Gewinne. Ebenfalls ein Trend in Südafrika: Investitionen in das Baugeschäft. Die Beiträge, die Sparer jeden Monat einzahlen, sind winzig, doch wird eine fertig eingerichtete Wohnung einmal verkauft - dann ist Zahltag. Dass dies selbst im kleinsten Rahmen funktioniert, zeigen die "Masakhe Ladies". Der ungewöhnliche Sparverein setzt sich aus 28 Frauen zusammen, die in Kapstädter Townships leben. Jede von ihnen zahlt monatlich 140 Euro in die gemeinsame Kasse ein. Gemäß ihrem Motto Masakhe, "einander bauen", greifen sie dann zu Ziegel und Zement. Schrittweise wird um das Ersparte ein neues Häuschen errichtet, das Haus einer der Frauen renoviert oder ein zusätzlicher Raum angebaut. Die Vermietung verschafft den Frauen dann ein zusätzliches Einkommen.

Foto: jeanenrich/pixabay.de