Weltflüchtlingstag 20. Juni

02

Aug.

Gegen das Sterben im Mittelmeer

Rettungsschiff von Ärzte ohne Grenzen nimmt Einsätze wieder auf

 

Die "Aquarius" von Ärzte ohne Grenzen nimmt nach einer einmonatigen Wartungspause die Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer wieder auf. Das teilte die Hilfsorganisation am Mittwoch in Marseille mit. Die zentrale Mittelmeerroute sei "die tödlichste der Welt", sagte Einsatzkoordinator Aloys Vimard. Es seien kaum noch humanitäre Hilfsschiffe unterwegs. Auch fehle ein eigenes Such- und Rettungs-Programm der europäischen Staaten. Dennoch bleibe die Rettung von Menschen in Seenot eine "gesetzliche und moralische Pflicht". Vimard sprach von einer "erschreckenden" Verachtung für Menschenleben.



Die "Aquarius" werde ihre Operationen in Abstimmung mit den Behörden und unter Wahrung

internationaler Konventionen fortsetzen, hieß es. Ärzte ohne Grenzen betonte jedoch, man werde Anweisungen zur Nicht-Intervention nur dann befolgen, wenn klar sei, dass die betreffenden Menschen durch andere Schiffe gerettet und in einen sicheren Hafen gebracht würden. Da Libyen kein sicherer Ort für Flüchtlinge, Asylsuchende und Migranten sei, werde Ärzte ohne Grenzen jeden Befehl zur Ausschiffung geborgener Personen in dem nordafrikanischen Land verweigern. Auch werde man keine Schiffbrüchigen an solche Boote übergeben, die die Geretteten nach Libyen bringen könnten.

Die Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen in Italien, Claudia Lodesani, nannte in dem Zusammenhang den Fall des Schiffs "Asso 28" einen "unakzeptablen Präzedenzfall" und eine "schwere Verletzung des internationalen Asylrechts". Das italienische Versorgungsschiff hatte 108 aus dem Mittelmeer gerettete Personen nach Libyen zurückgebracht. Die Organisation kritisierte, die Koordination für Hilfseinsätze im Mittelmeer sei immer stärker der libyschen Küstenwache übertragen worden. Die EU unterstütze dies, obwohl sich die Mitgliedsstaaten bewusst seien, dass in Libyen ein "alarmierender Grad an Gewalt und  Ausbeutung" gegenüber Flüchtligen und Migranten herrsche.

Nach eigenen Angaben barg Ärzte ohne Grenzen mit der "Aquarius" in mehr als 200 Einsätzen  während gut zwei Jahren rund 29.000 Menschen aus Seenot. Das Schiff kann über 500 Personen aufnehmen und für mehrere Tage auf See versorgen. Seit Jahresbeginn ertranken nach UN-Angaben mehr als 1.100 Menschen auf der zentralen Mittelmeerroute.

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