MISEREOR und Landwirte im Dialog

25

Jan.

Globale Verantwortung und Fairer Handel

Weihbischof Zekorn fordert ethisch verantwortbare Agrarpolitik  

 

Der Münsteraner Weihbischof Stefan Zekorn hat eine stärkere Ausrichtung der

europäischen Agrarpolitik an ethischen Leitlinien gefordert. So müsse in der Lebensmittelproduktion die Qualität an erster Stelle stehen, sagte er am Mittwoch auf der Berliner Landwirtschaftsmesse "Grüne Woche". Die Qualität dürfe nicht wegen des ebenfalls berechtigten Ziels vernachlässigt werden, bezahlbare Nahrungsmittel anzubieten.

 


Zekorn plädierte zudem dafür, den Landwirten einen Lebensstandard zu ermöglichen, "der mindestens mit einem durchschnittlichen Lebensstandard der übrigen Bevölkerung eines Landes vergleichbar ist". Dabei sei die ganze Bandbreite ihrer Leistungen zu berücksichtigen, also auch die Beiträge zu Naturschutz und Landschaftspflege. Auch seien Maßnahmen erforderlich, dass "der ländliche Raum lebenswert" bleibe. Der Staat und weitere Versorger müssten sich dafür engagieren, die Internetversorgung und Verkehrsanbindung der ländlichen Räume zu verbessern. Umweltethische Perspektiven seien in allen Bereichen von Agrarpolitik und Lebensmittelproduktion zu berücksichtigen, so der Weihbischof. Wer den jüdisch-christlichen Schöpfungsglauben nicht teile, könne diese Notwendigkeit auch durch naturphilosophische und wissenschaftliche Überlegungen erkennen.

Der Weihbischof rief zu einer gesellschaftlichen Debatte über einen ethisch verantwortbaren Umgang mit Tieren auf. In diesem Zusammenhang sei die Frage der Biopatente und der "Grünen Gentechnik" zu bedenken. Das europäische Biopatentrecht sei so zu präzisieren, "dass Pflanzen und Tiere einem Patentierungsverbot unterliegen, egal durch welches Verfahren sie entstanden sind".

 

Die Landwirtschaft muss nach den Worten Zekorns überdies dem Aspekt der globalen Verantwortung Rechnung tragen. So sei es dringend notwendig, die Veredelung von Agrarprodukten vor allem in Afrika zu fördern, statt dort nur Rohstoffe auszubeuten und diese in Europa zu verarbeiten. Die reichen Länder dürften die armen zudem nicht länger mit Billigerzeugnissen wie Milchpulver "überschwemmen". Der EU-Landwirtschaftsexperte Rudolf Mögele räumte ein, es werde immer schwieriger, eine auf Gleichberechtigung aller Staaten basierende internationale Handelsordnung anzustreben. Dafür machte er

vor allem die USA verantwortlich. Der Vorsitzende des Bundes ökologischer Lebensmittelwirtschaft, Felix Prinz zu Löwenstein, forderte, es dürften nicht länger die Akteure die größten Chancen haben, die am wenigsten auf die Umwelt und faire Handelsbedingungen Rücksicht nähmen. Der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, Werner Schwarz, rief die Kirchen auf, solche Entwicklungen klar zu

kritisieren. Das Podium fand auf Einladung katholischer Verbände für den ländlichen Raum und weiterer kirchlicher Institutionen statt. In der Deutschen Bischofskonferenz engagiert Zekorn sich in deren Kommission für weltkirchliche Fragen.

 

 

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