KarlMarx

03

Mai.

Kapitalismuskritik noch immer aktuell

Kardinal Marx: Themen von Karl Marx bleiben weiter aktuell

 

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hält die von Karl Marx (1818-1883)

aufgeworfenen Fragen zum Kapitalismus auch im Zeitalter der Globalisierung für aktuell. Allerdings distanziert sich der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz deutlich vom marxistischen Menschenbild.



Der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte Marx in München, sein vor 200 Jahren geborener Namensvetter sei "ein scharfsinniger Analytiker des Kapitalismus". Weiter erklärte der Kardinal, der seine Karriere als Sozialwissenschaftler begonnen hat: "Manches von dem, was er benannt hat, sehen wir erst heute in der ganzen Breite. Welche sozialen, politischen und ökologischen Auswirkungen ein weltweiter, globaler, ungebremster Kapitalismus hat, das beginnen wir zu begreifen." Der Münchner Erzbischof betonte, Marx habe "Probleme ins Denken eingebracht, die nicht erledigt sind." Die marxistische Analyse des Kapitalismus und der Gefährdungen, die daraus entstehen, habe auch die christliche Soziallehre nie bestritten: "Wir sind bis heute davon überzeugt, dass die Kapitalverwertungsinteressen nicht der einzige Antrieb einer Gesellschaft sein dürfen und dass wir Rahmenbedingungen brauchen, um die Marktkräfte dem Menschen dienlich zu machen." Die Schriften des Trierer Denkers hätten mit ihrer "Power" auch die Studentenrevolte von 1968 angeregt.


"Der revolutionäre Impetus, der in Marx" Schriften steckt, das inspiriert Menschen, die mit den Verhältnissen radikal unzufrieden sind", erklärte der Kardinal. Zugleich distanzierte er sich deutlich vom marxistischen Menschenbild. Karl Marx habe zu sehr die Gattung Mensch in den Mittelpunkt gerückt und den Einzelnen und seine Freiheit "kaum in den Blick genommen". Für das Christentum hingegen sei die menschliche Person zentral, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. "Wir wissen, dass wir kein Ziel anstreben können auf Kosten von Menschen, wie es der Marxismus meint, sondern dass der Mensch als Person immer im Mittelpunkt steht."


Insgesamt dürfe man Karl Marx sicher nicht freisprechen von allen negativen Folgen seines Wirkens, ergänzte der Kardinal: "Er muss aber auch nicht für alles haften, was in der Folge seiner Theorie als Marxismus betrieben wurde, bis hin zu Stalins Gulags.