Globale Herausforderungen

16

Apr.

Kolonialverbrechen nicht kompensieren!


Namibia: Entwicklungshilfe ersetzt nicht Kolonial-Entschädigung

 

Nach Aussage von Namibias Staatspräsident Hage Geingob kann deutsche Entwicklungshilfe keinesfalls etwaige Entschädigungen für Kolonialverbrechen ersetzen. „Wir sind uns alle einig, dass ein Völkermord stattgefunden hat. Auf keinen Fall wird meine Regierung, wie man uns unterstellt, deutsche Hilfe als Wiedergutmachung für den Genozid annehmen“, zitiert die Tageszeitung „New Era“ (Freitag) Geingob.

Zuletzt waren Gerüchte aufgetaucht, wonach Deutschland und Namibia nach der Unabhängigkeit des damaligen Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, eine geheime Vereinbarung getroffen hätten. Demzufolge sollten Kolonialverbrechen durch überdurchschnittlich hohe Entwicklungshilfe kompensiert werden. "Wer auch immer diese Propaganda predigt, liegt falsch. Deutschland mag dies behaupten, aber wir nicht", so Geingob im Parlament. Dem Bericht zufolge erhielt Namibia seit 1990 Entwicklungshilfe von Deutschland im Wert von umgerechnet 875 Millionen Euro. Einige Beobachter betrachteten diese Zahlungen als inoffizielle

Entschädigung für die Gewaltverbrechen an den Herero und Nama, so die "New Era".

Bei der gewaltsamen Durchsetzung der Kolonialherrschaft zwischen 1904 und 1908 im damaligen Deutsch-Südwestafrika töteten deutsche Truppen Zehntausende Herero und Nama. Zwischen Deutschland und Namibia läuft seit rund vier Jahren ein Dialog auf Regierungsebene zur Aufarbeitung der Geschehnisse. Dabei geht es unter anderem um eine offizielle Entschuldigung. Vor einem New Yorker Bezirksgericht ist zudem seit einem Jahr eine Klage von Vertretern der Herero und Nama gegen die Bundesrepublik anhängig, in der sie fordern, an diesen Verhandlungen beteiligt zu werden. Außerdem verlangen sie Reparationszahlungen. Zu Jahresbeginn hatte der Namibia-Beauftragte der Bundesregierung, Ruprecht Polenz, die Forderungen der Herero- und Nama-Nachkommen nach persönlichen Entschädigungen abgelehnt.