Krise in Nicaragua

25

Jun.

Krise in Nicaragua

Schriftstellerin Gioconda Belli hofft auf Neuanfang  

 

Die nicaraguanische Schriftstellerin Gioconda Belli (Bewohnte Frau) hat scharfe Kritik an Präsident Daniel Ortega geübt. Ihr früherer Mitstreiter habe sich zu einem „populistischen Diktator“ gewandelt, so die einstige Sandinisten-Kämpferin gegen die Somoza-Diktatur.



„Er wirbt noch immer mit dem Image des sandinistischen Revolutionärs, benimmt sich in Wirklichkeit aber wie ein faschistischer Machthaber“, sagte die 69-Jährige der Kärntner Kirchenzeitung „Sonntag“ (24. Juni).

 

Trotz der akuten Krise in ihrer Heimat hoffe sie auf einen Neuanfang, sagte Belli, die zu den bekanntesten Autorinnen Lateinamerikas gehört. Der zivile Ungehorsam in Nicaragua habe mit Unterstützung der Kirche einiges erreicht, so die in Managua und Los Angeles lebende Lyrikerin und Romanautorin. Zunächst habe die Kirche Ortega unterstützt, „weil er ihr viele Zugeständnisse gemacht hat“, berichtete Belli. Doch inzwischen hätten sich die Bischöfe distanziert und würden den demonstrierenden Studenten unter anderem mit Kirchenasyl helfen. Ebenso sorge der Weihbischof in Managua, Silvio Jose Baez, über seinen Internet-Blog dafür, dass die Gräueltaten der Regierung international bekannt würden. Das

Angebot der Kirche, einen Dialog zwischen Opposition und Regierung zu moderieren, habe Ortega wegen des anhaltenden Protests akzeptieren müssen, so die Schriftstellerin. Seit April wurden nach Angaben Bellis mehr als 150 Menschen von Ortegas Truppen ermordet. Bei Protestmärschen seien Hunderttausende trotz drohender Gewalt auf die Straße gegangen. Der zivile Ungehorsam, etwa in Form von Straßenblockaden von Kleinbauern, zeige Wirkung. Belli beklagte, es gebe bislang zu geringes Interesse der Weltöffentlichkeit für den Konflikt.

„Daher erzähle ich in all meinen Lesungen über die Lage in Nicaragua.“ Auch die internationale Entwicklung nannte sie „sehr besorgniserregend“. Immer mehr Populisten kämen an die Macht, die eine menschenverachtende Politik auf Kosten bestimmter Gruppen betrieben. Die Autorin fordert gesetzliche Rahmenbedingungen, um Frauen den Zugang zu Spitzenpositionen in Wirtschaft und Politik zu erleichtern.