Entwicklungsbilanz

25

Jul.

Misereor warnt vor Tunnelblick bei Entwicklungshilfe

Entwicklungshilfe ist nach den Worten von Martin Bröckelmann-Simon mehr als der Kampf gegen Fluchtursachen. In einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung (Donnerstag) sieht der Geschäftsführer des katholischen Hilfswerks Misereor die Gefahr eines Tunnelblicks auf die Zusammenarbeit mit den Staaten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas.

 

Entwicklungshilfe werde seit 2015 immer stärker unter dem Blickwinkel einer Eindämmung von Migration hauptsächlich aus Afrika und den Krisenherden des Nahen und Mittleren Ostens betrachtet, kritisiert Bröckelmann-Simon. Doch es sei eine Illusion, zu glauben, „ein tieferer Griff in die Haushaltskasse“ des Bundes zugunsten der Entwicklungszusammenarbeit könne zu schnellen Lösungen führen. „Die Ursachen der Flucht von global derzeit circa 66 Millionen Menschen liegen vorrangig in anhaltender

Gewalt und fortgesetzten Menschenrechtsverletzungen in ihrer Heimat“, schreibt der Misereor-Geschäftsführer. „Solch komplexe Probleme lassen sich nicht kurzfristig beseitigen, hierzu bedarf es eines sehr langen Atems.“ Um die Lebensbedingungen der Menschen in den armen Ländern des Südens zu verbessern, müssten die reichen Länder zudem ihren Wirtschafts- und Lebensstil ändern. Das habe Konsequenzen beispielsweise für die Agrar-, Handels- und Rüstungspolitik, so Bröckelmann-Simon. Der Misereor-Vertreter warnt zugleich davor, die Hilfen für das nördliche Afrika oder den Nahen und Mittleren Osten gegen andere Bereiche der Entwicklungshilfe auszuspielen. „Auch die Reduktion klimaschädlicher Treibhausgase und Anpassungsmaßnahmen an die nicht mehr vermeidbaren

Klimawandelfolgen sind drängende globale Themen jenseits der Frage, wie viele Menschen Einlass in die Festung Europa erbitten.“ Krisenhafte Entwicklungen in Tonga oder Venezuela könnten für Europa und Deutschland ebenso relevant sein, wie solche in Bayern oder Niederösterreich, so Bröckelmann-Simon weiter. „Wir Europäer können es uns nicht leisten, Weltregionen wie zum Beispiel den Pazifik, das südliche Afrika oder Lateinamerika auszublenden.“www.misereor.de

KNA-Meldung v. 19.7.2018