Und immer wieder Sudan

13

Jul.

Südsudan: Es stehe viel auf dem Spiel!

Bedroht Corona den Friedensprozess?

Der Südsudan erklärte am 9. Juli 2011 seine Unabhängigkeit nach Jahren eines gewaltvollen Bürgerkriegs. Seither wurde sowohl der Staatsbildungs- als auch der Friedensprozess immer wieder von massiven Gewaltausbrüchen zwischen Bevölkerungsgruppen bedroht. Auch die Umsetzung eines Ende 2018 geschlossenen Friedensabkommens verlief bisher schleppend. Doch Anfang des Jahres konnte die Regierung einen ersten Erfolg verzeichnen und eine Einheitsregierung bilden, mit der Hoffnungen auf mehr Stabilität, Sicherheit und die ersten offiziellen Wahlen des jüngsten Staates der Welt verbunden sind. Das Coronavirus stellt in dem fragilen Land somit nicht nur eine Gefahr für die Gesundheit seiner Einwohner oder die Wirtschaft des Landes dar, sondern auch für den Friedensprozess.

Katharina Götte, Länderreferentin für den Südsudan bei MISEREOR, schätzt die aktuelle Lage folgendermaßen ein: „Das Coronavirus trifft den Südsudan zu einem Zeitpunkt, an dem viel auf dem Spiel steht. Seit Jahren haben die politischen Akteure keine Fortschritte dabei gemacht, das Friedensabkommen umzusetzen und die Gewalt im Land zu beenden. Bis heute sind nicht alle Voraussetzungen für politische Stabilität geschaffen. Auch eine Zunahme von Gewalt auf kommunaler Ebene erregt Besorgnis. Nun da endlich politische Bereitschaft für Veränderung sichtbar wird, hoffen wir inständig gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort, dass der Kampf gegen das Virus den Prozess nicht zusätzlich verlangsamen wird. Die Herausforderung der Corona-Pandemie bindet Ressourcen, Kraft und Zeit, die ähnlich dringend für den Staatsbildungs- und Friedensprozess benötigt werden. Unsere Partner im Land haben ihre Projektarbeit an die aktuelle Situation angepasst: Sie führen ihre Arbeit im Gesundheits- und Bildungsbereich fort und sensibilisieren zugleich für das Virus sowie entsprechende Präventionsmaßnahmen. Ein instabiler Staat, ein gescheitertes Friedensabkommen und in der Folge wieder aufflammende Gewalt würden erreichte Erfolge wieder in Frage stellen.“

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