Stillen

07

Aug.

Stillen statt Milchersatz

Nestlé, Danone und Co. - gegen die aggressive Vermarktung von Muttermilchersatz

Die Schauspielerin Rebecca Immanuel sowie Köchin und Autorin Sarah Wiener machen sich für den Abbau von Stillbarrieren stark. Sie unterstützen eine Petition von Aktion gegen den Hunger. Diese kritisiert das aggressive Marketing für Muttermilchersatzprodukte in Entwicklungs- und Schwellenländern.


Es ist schon einige Jahre her, als Nestlé in der Kritik stand, durch gezieltes Marketing in afrikanischen Ländern, Müttern teures Milchpulver anzudrehen. Es kam zum Nestlé-Boykott, der Wirkung zeigte. Doch offensichtlich nicht lange… denn das Problem taucht weiterhin auf und kostet hunderttausenden Kindern das Leben. Denn, wo sauberes Wasser und Hygiene Mangelware sind, kann Muttermilchersatz zur tödlichen Bedrohung werden. „Nestlé tötet Babys“ hieß die Kampagne Mitte der 1970er Jahre, die schließlich dazu führte, dass Nestlé umschwenkte und das Stillen förderte.

In den vergangenen Monaten kam jedoch erneut Kritik an den Marktetingstrategien von Nestlé und anderen Milchpulver produzierenden Unternehmen. „Stillen ist ungeheuer wichtig für die Bindung von Mutter und Kind. Man weiß, dass gestillte Kinder gesünder sind. Zudem ist Stillen das kostengünstigste Nahrungsmittel für Babys, das die Natur zu bieten hat“, sagte Rebecca Immanuel, bekannte TV-Schauspielerin (Edel & Starck) und selbst Mutter. „Natürlich gibt es gute Gründe, warum Mütter auf Muttermilchersatzprodukte zurückgreifen. Das Problem in vielen Ländern Afrikas und Asiens ist jedoch, dass Konzerne durch irreführende und aggressive Werbung suggerieren, dass Milchersatz besser und gesünder sei. Ich - als Mutter - finde: Jede Frau auf der Welt sollte über dieses Wissen verfügen, um eine kluge und nachhaltige Entscheidung zu treffen, die auf Tatsachen beruht und nicht auf windigen Werbeversprechen. Deshalb unterstütze ich die Petition von Aktion gegen den Hunger.“

Die Petition ruft dazu auf, den seit fast 40 Jahren geltenden Milchkodex der Weltgesundheitsorganisation WHO konsequent einzuhalten. Sie richtet sich an die sechs größten Hersteller von Muttermilchersatzprodukten, aber auch an deren Inverstoren sowie die Regierungen insbesondere in Ländern des globalen Südens. Nestlé, Danone und Co. betreiben dort auch weiterhin aggressives Marketing für Muttermilchersatzprodukte, indem sie beispielsweise in Krankenhäusern ein und ausgehen, um medizinisches Personal dazu zu bringen, ihre Produkte zu empfehlen.

„Durchfallerkrankungen sind weltweit eine der häufigsten Todesursachen bei Babys und Kleinkindern“, sagte Jan Sebastian Friedrich-Rust, Executive Director bei Aktion gegen den Hunger. „800.000 Kinderleben jährlich sind in Gefahr, weil Mütter Milchersatzprodukte verwenden, anstatt zu stillen.“ Auch die prominente Fernsehköchin und Autorin Sarah Wiener ist Unterstützerin der E-Mail-Petition: „Unternehmen wie Nestlé, Danone und Co. stellen Profitmaximierung über Kinderleben.“ Gemeinsam mit mittlerweile fast 22.000 Menschen in Deutschland appelliert sie an die Hersteller, den Milchkodex endlich einzuhalten.

Anlässlich der heute endenden Weltstillwoche ruft Aktion gegen den Hunger dazu auf, den Druck auf die Unternehmen deutlich zu erhöhen. Die humanitäre und entwicklungspolitische Organisation forderte die Deutschlandchefs von Nestlé, Danone, Reckitt Benckiser, FrieslandCampina, KraftHeinz und Abbott dazu auf, sich öffentlich zur Einhaltung des Milchkodex zu bekennen und einen gemeinsamen Pakt gegen die aggressive Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten zu schließen. Ein Bericht der Organisation hatte zuvor zahlreiche Verstöße insbesondere in Afrika und Asien offengelegt.

 https://netzfrauen.org/2018/03/28/babymilch/