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03

Aug.

True Cost Analysis - wirkliche Kosten

Die wirklichen Kosten unserer Lebensmittel. Ein Dossier weltSichten von MISEREOR

Die wirklichen Kosten unserer Lebensmittel fließen momentan noch nicht in den Preis ein. In Wirklichkeit sind die Erzeugungskosten unserer Lebensmittel deutlich höher, weil die Auswirkungen, die Kosten auf die Mitwelt und die Gesundheit nicht mit einberechnet worden sind. Aber auch die Leistungen der Bäuerinnen und Bauern zur Erhaltung der Umwelt fehlen. Ein neuer Bilanzierungsstandard – die True Cost Analysis (TCA) soll dem abhelfen und zu einer Bilanzierung der wirklichen Kosten beitragen, um damit eine in der Produktion und im Konsum steuernde Funktion zu entfalten.

Am Beispiel Trinkwasser wird deutlich gemacht, wie sehr die wirklichen Kosten unberücksichtigt bleiben:

Was die Berechnung externalisierter Kosten betrifft, so ist viel Vorleistung erbracht worden. So hat schon im Jahr 2011 das französische Landwirtschaftsministerium bei den Wasserwerken der Nation erfragt, wie viel Geld diese ausgeben, um das geförderte Trinkwasser von Nitrat- und Pestizidrückständen zu reinigen, damit die europäischen Normen eingehalten werden können. Das Resultat: 1,5 Milliarden Euro mussten die französischen Trinkwasserkunden zu diesem Zeitpunkt mit ihrer Wasserrechnung für die Aufbereitung bezahlen, obwohl die Kostenverursacher ja nicht im Wasserwerk, sondern in der Landwirtschaft zu suchen waren.

Wenn man die Kosten der Reinigung auf den gesamten Grundwasserkörper Frankreichs bezieht, ergibt sich die – theoretische – Summe von 50 Milliarden Euro, die ausgegeben werden müsste, wenn jedes Jahr alles aus dem Wasser wieder entfernt werden müsste, was an Nitrat und Pestizidendort eingetragen wurde. Zufällig entspricht dies der Bruttowertschöpfung der gesamten französischen Landwirtschaft. Die Bauern müssten also ihre Preise verdoppeln, wenn

sie für die Verunreinigung des Trinkwassers aufkommen müssten. Von all den anderen externen Kosten, die mit der Dezimierung der biologischen Vielfalt oder dem landwirtschaftlichen Beitrag zum Klimawandel verbunden sind, ist dabei noch nicht die Rede.

Studien dieser Art gibt es mittlerweile zuhauf. Die Frage ist: Mit welchen Instrumenten kann man die externen Kosten dem Verursacher zuordnen? Es geht darum, die Flaschenhälse zu definieren, an denen solche Kosten administrativ einfach geltend gemacht werden könnten, und damit die Hebel, mit deren Hilfe die Erzeugung dort verteuert wird, wo der Schaden entsteht.

Preise, die nicht die ökologische (und soziale) Wahrheit sprechen, lenken Märkte in die falsche Richtung. Denn Preise sind deren wichtigstes Steuerungsinstrument. Weil aber Märkte Allgemeinkosten nicht einpreisen können, ist es die Aufgabe des Staates, Preiswahrheit herzustellen. Sie ist die Voraussetzung für das Funktionieren eines nachhaltigen marktwirtschaftlichen Systems.

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