Auf dem Weg für ein besseres Klima

20

Nov.

Was bleibt von Bonn - wie geht es weiter?

Fünf Fragen und fünf Antworten zum Klimaschutz


Am Samstagmorgen ist die Weltklimakonferenz COP 23 in Bonn zuende gegangen. Das nächste Treffen findet im Herbst 2018 in Kattowitz statt. Zeit für eine Bilanz - und einen Ausblick. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) beantwortet fünf Fragen zur Zukunft des Klimaschutzes.


1. Zwei-Grad-Ziel und die CO2-Bilanz - wo steht die Welt beim Klimaschutz?


Die jüngsten Studien verheißen nichts Gutes. Beim Klima-Abkommen von Paris verständigte sich die Staatengemeinschaft darauf, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Unerlässlich dafür ist ein drastischer Rückgang bei den CO2-Emmissionen. Unmittelbar vor der Konferenz rechneten UN-Experten sämtliche bisher gemachten Zusagen der Staaten zusammen. Das alarmierende Ergebnis: Ein Anstieg von mindestens drei Grad bis zum Jahr 2100 sei nach Lage der Dinge "sehr wahrscheinlich".

 

Ein weiterer Befund aus einer anderen Untersuchung: Für 2017 rechnen Forscher erstmals nach drei Jahren wieder mit einem Anstieg der CO2-Emissionen. Wie dramatisch die Folgen des Klimawandels bereits jetzt sind, zeigte der während der Konferenz in Bonn vorgestellte Klima-Risiko-Index von Germanwatch: Demnach starben in den vergangenen 20 Jahren 524.000 Menschen durch extreme Wetterereignisse. Die wiederum stünden in einem Zusammenhang mit dem Klimawandel: So spielten steigende Meerestemperaturen bei der zunehmenden Intensität von Stürmen eine entscheidende Rolle.

 

2. Nur schöne Worte, Reisespesen und heiße Luft - oder was hat die COP23 konkret gebracht?

 

Technische Verhandlungen statt spektakulärer Botschaften und Bilder - darauf stimmte Deutschland als "technischer Gastgeber" die Teilnehmer und Journalisten zu Beginn des Treffens ein. Eines der wichtigsten Ziele wurde tatsächlich erreicht: den Rahmen für ein "Regelbuch" zur praktischen Umsetzung des Abkommens von Paris abzustecken.

Dass der Ausstieg aus der fossilen Energie im Kampf gegen den Klimawandel unumgänglich ist, scheint sich auf internationaler Ebene weitgehend durchgesetzt zu haben. Schließlich lassen sich nur so die CO2-Emmissionen tatsächlich substanziell zurückfahren. Der Druck, von Kohle und Co Abschied zu nehmen, wächst. In Bonn formierte sich auf Betreiben von Kanada und Großbritannien ein Bündnis, das diesen Schritt beschleunigen will. Allerdings hielten sich die Initiatoren mit konkreten Ansagen zurück. Und zum Start traten erst 16 Staaten bei, darunter die nicht gerade als "Klimasünder" bekannten Marschallinseln oder Costa Rica.

"Wir wissen, dass wir nachlegen müssen", sagte die Chefin des UN-klimaschutzsekretariates, Patricia Espinosa, in einem KNA-Interview vor Beginn des Bonner Treffens. Diese Parole bleibt auch nach Bonn gültig.

 

3. Die Weltklimakonferenz in Bonn ist Geschichte - was steht für die nächste Konferenz im Herbst 2018 im polnischen Kattowitz auf der To-do-Liste der Staatengemeinschaft?

 

Eine wichtige Aufgabe: Die Staaten müssen das Regelbuch für die Umsetzung des Abkommens von Paris fertigstellen. Gesprächsbedarf gibt es bei der Debatte über die Ziele, die vor 2020 erreicht werden sollen. Welchen Beitrag leisten vor allem die Industrie- und Schwellenländer - und wie kann er überprüft werden?

Zu einer Art Dauerthema ist inzwischen das Thema Klimafinanzen geworden. Dabei geht es um die Frage, wie vor allem die armen Staaten finanziell unterstützt werden, um sich an den Klimawandel anzupassen und selbst Klimaschutz anzugehen. Noch immer sehr vage ist der zukünftige Umgang mit den Schäden und Verlusten durch den Klimawandel. Kurz vor Abschluss der Verhandlungen einigten sich die Delegierten darauf, den sogenannten Anpassungsfonds unter das Dach des Pariser Klima-Abkommens zu nehmen. Mit dem Geld aus dem Fonds sollen die Folgen des Klimawandels in armen Ländern abgemildert werden.

Mit Spannung erwartet wird schon jetzt der Bericht, den der Weltklimarat IPCC vor dem Treffen in Kattowitz vorlegen will. Diese Zusammenfassung und Bewertung der weltweiten Forschungsergebnisse soll die wissenschaftliche Basis für die weiteren Gespräche auf politischer Ebene liegen. Und dabei helfen, den mit dem Abkommen von Paris 2015 in Gang gesetzten Verhandlungsprozess voranzubringen.

 

4. Was machen eigentlich die USA?

 

Mit seiner Ankündigung, das Pariser Abkommen verlassen zu wollen, sorgte US-Präsident Donald Trump im Sommer für Schlagzeilen. Konsequenterweise spielte die US-Delegation in Bonn eine schwache Rolle. Dass man das Land beim Klimaschutz trotzdem nicht abschreiben sollte, belegten zahlreiche Initiativen auf Ebene etwa der Städte und Bundesstaaten. Dazu kamen Auftritte von Prominenten wie Ex-Vizepräsident Al Gore, Hollywoodlegende Arnold Schwarzenegger oder New Yorks Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg. Einzig der im Vorfeld immer wieder angekündigte Filmstar Leonardo DiCaprio fehlte.

 

5. Wie könnte der Klimaschutz der Zukunft aussehen?

 

In Bonn wurde deutlich, dass viele Akteure aus ganz unterschiedlichen Bereichen - von Nichtregierungsorganisationen über Wissenschaft bis hin zu Kommunen - längst auf dem Weg zu mehr Klimaschutz sind. Diese Akteure besser miteinander zu vernetzen und die mitunter verwirrende Vielfalt von Initiativen zu bündeln, ist eine Herausforderung, die sich lohnen dürfte.

 

Neue Vorstöße wie Klimaversicherungen oder eine stärkere Einbeziehung von großen Unternehmen und wohlhabenden Privatleuten beim Klimaschutz können ebenfalls neue Perspektiven bieten. Auch wenn Kritiker immer wieder betonen, dass es weder einfache Patentrezepte gibt, noch der Klimaschutz zum Nulltarif zu haben ist.
Letzten Endes geht es um einen grundlegenden Wandel im Lebensstil. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) mahnte auf Deutschland bezogen eine grundlegende Mobilitätswende an - neben dem Umbau der Energiewirtschaft. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) formulierte es so: Die Erde ertrage "sehr viel Mensch". Allerdings nur dann, wenn der Mensch verantwortungsvoll mit den Ressourcen umgehe. "Wir dürfen den Planeten nicht an den Rand der Apokalypse führen."
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Dr. Bernd Bornhorst, Vorsitzender von VENRO:

„Es ist mehr als enttäuschend, dass die Industrieländer die drängende Frage nicht behandelt haben, wie Schäden und Verluste bezahlt werden, die durch den Klimawandel verursacht werden. Dagegen war die Ankündigung der Bundesregierung, Entwicklungsländer mit 100 Millionen bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen, ein sehr ermutigendes Zeichen.

In Bonn wurde viel erreicht, um die technischen Umsetzungsregeln des Pariser Abkommens aufzustellen. Jedes Land muss nun weiter ehrgeizig am Klimaschutz arbeiten. Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie sich konstruktiv am "Talanoa-Dialog" beteiligt, der von der fidschianischen Präsidentschaft eingebracht wurde. Wir brauchen diesen Dialog auf Augenhöhe mit klaren Zielen bei der Emissionsminderung und gleichzeitiger Unterstützung der armen Staaten. Nur so können wir die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad, möglichst unter 1,5 Grad begrenzen."

 

Dr. Christiane Averbeck, Geschäftsführerin der Klima-Allianz Deutschland:

"Deutschlands Vorreiterrolle bei der Umsetzung der Klimaziele ist dahin. Frau Merkel hat zusätzliche Anstrengungen zugesagt. Und sie hat gesagt: Den Worten müssen Taten folgen. Daran messen wir die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen. Die Welt wartet darauf, dass Deutschland aus der Kohle aussteigt und die Verkehrswende entschieden anpackt. International gilt es Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel menschenrechtskonform umzusetzen.

Wir freuen uns über die Verabschiedung des Genderaktionsplans. Er sieht vor, den Einfluss von Frauen auf Entscheidungsprozesse zu stärken und eine gleichberechtigte Vertretung von Frauen und Männern in der Klimarahmenkonvention sicherzustellen. Das ist ein wichtiger Fortschritt.“


Positionspapier mit Forderungen zum Klimagipfel in Bonn