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16

Dez.

Wie wirkt die Fairtrade Prämie?

Was geschieht mit dem zusätzlichen Geldbetrag, den Verbraucher*innen für Fairtrade zertifizierte Produkte zahlen

Die Berechnung der Fairtrade Prämie wird auf Grundlage einer genau festgelegten Methode durchgeführt. Die Standards and Pricing Unit von Fairtrade International führt zunächst einmal einen Konsultationsprozess durch, analysiert die Ergebnisse und erarbeitet Vorschläge für Prämien. Diese werden dem Standard-Komitee zur Abstimmung vorgelegt. Dort sind Vertreter*innen der Produzent*innennetzwerke, Nationalen Fairtrade-Organisationen und zertifizierten Handelsorganisationen vertreten. In regelmäßigen Abständen (je nach Produkt zwischen jährlich und alle vier Jahre) werden diese Preisfindung-Prozesse in Rücksprache mit Produzent*innenorganisationen und Händler*innen durchgeführt. Bei der Preisfindung werden vor allem die jeweilige Marktsituation eines Landes sowie die jeweilige Produktkategorie berücksichtigt.

Die Mitglieder einer Kooperative oder Produzent*innenorganisation entscheiden eigenständig, wofür die Prämie eingesetzt wird. Ziel ist es, in soziale ökologische oder ökonomische Projekte zu investieren, so dass alle gleichermaßen von der Prämie profitieren. Sehr häufig wird sie für den Bau von Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten, für die Erwachsenenbildung oder für Infrastrukturmaßnahmen wie Straßen- und Brückenbau eingesetzt. Sie gelangt also nicht direkt, sondern indirekt an die Bäuerinnen und Bauern. Für maximale Transparenz müssen alle Entscheidungen und Entwicklungen, die die Fairtrade-Prämie betreffen, für alle Mitglieder der Kooperative verständlich dokumentiert werden. Fast die Hälfte der Fairtrade-Prämie wird in Kleinbauernorganisationen in die Steigerung der Produktivität und Qualität investiert. So verbessert sich die Chance der Kleinbauernfamilien, am Weltmarkt konkurrenzfähig zu bleiben.

Ein demokratischer Prozess auf Plantagen

Auch auf Fairtrade-Plantagen übernimmt diese Informations-, Organisations- und Abstimmungsaufgaben ein Fairtrade-Prämienkomitee. Es besteht aus gewählten Vertreter*innen sowie Managementvertreter*innen mit beratender Funktion. Mindestens einmal jährlich beruft das Komitee eine Vollversammlung ein und berichtet über den Fairtrade-Prämienplan. Dann wird demokratisch über die Investitionsentscheidung abgestimmt. Das Management hat hierbei lediglich beratende Funktion und kann ein gewünschtes Projekt nur dann ablehnen, wenn es nachweislich nachteilig für das Unternehmen ist. Bei der Verwendung der Fairtrade-Prämie muss außerdem sichergestellt sein, dass alle lohnabhängig Beschäftigten auch tatsächlich von den finanzierten Projekten profitieren.

Auf Fairtrade-Plantagen wird die Fairtrade-Prämie vor allem in die direkte Unterstützung der Arbeiterschaft und ihrer Familien verwendet - für Bücher und Uniformen schulpflichtiger Kinder, für Kredite und Darlehen sowie für Wohnraumverbesserungsmaßnahmen oder als Zuzahlung für den monatlichen Lohn.

Gundis Jansen-Garz, in Welt&Handel Nr. 9/10-2019

Foto: Schülerin einer von der Fairtrade-Prämie finanzierten Schule der Kakao-Kooperative ECOOKIM aus der Elfenbeinküste, Foto: Zorkot Nabil