Faire Metropole Ruhr

30

Okt.

Wird Fairer Handel zum Standortfaktor?

Ein Anfang ist gemacht! Bericht von der Jahrestagung Faire Metropole Ruhr

„Die Auszeichnung FairTradeTown  ist nur der erste Schritt. Die Kommunen müssten sich nachhaltig verantwortlich verhalten“, sagt der bekannte Autor und Journalist Stefan Kreutzberger bei der Jahrestagung der Fairen Metropole Ruhr im Wissenschaftspark Gelsenkirchen. Gemeinsam mit Professor Dr. Rudolf Juchelka, Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftsgeographie an der Uni Duisburg Essen, und Thomas Paschek, Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing Waltrop, diskutiert er auf dem Podium unter anderem darüber, welche Zugkraft der Faire Handel innerhalb einer Region entwickeln kann.

Vera Dwors und Markus Heißler, Vorstand der Fairen Metropole Ruhr, betonen, dass noch viel Lobby- und Bildungsarbeit notwendig ist, damit nachhaltiger Konsum selbstverständlich wird. Hat der Faire Handel also wirklich das Potenzial zum weichen Standortfaktor?

 

Forderung nach europaweitem FairTrade-Standard


70 Gäste hören gebannt zu, als Professor Dr. Juchelka darüber redet, dass Bildungsarbeit in die Köpfe gebracht werden muss, damit sich der Gedanke des fairen Netzwerks weiter ausbreiten kann. Noch, so sagt er, sei der Faire Handel kein wissenschaftlich belegter Standortfaktor, aber zumindest schon Merkmal von Regionen, Imageelement und ein Markenfaktor. Als Beispiel nennt er hier den Stadtteil Prenzlauer Berg in Berlin, dessen das Stadtbild prägende Biomarktkultur Leute anzieht und so zumindest als „weicher“ Standortfaktor bezeichnet werden könnte. „Ich möchte der Fairen Metropole Ruhr anbieten, dieses Thema in einer Masterarbeit gemeinsam mit einer meiner Studentinnen aufzugreifen und zu bearbeiten“, sagt er. Thomas Paschek pflichtet ihm bei und empfindet in Waltrop FairTrade durchaus schon als weichen Standortfaktor. Er berichtet unter anderem von einer jungen Unternehmerin, die ihren Bioladen gezielt in Waltrop eröffnet hat, weil der Standort dort einfach passe. „In Waltrop steckt viel FairTrade“, sagt er. Kreutzberger kritisiert, dass Fairer Handel gerade ein Glaubwürdigkeitsproblem hat und fordert einen europaweiten FairTrade-Standard. Alle sind sich einig, dass das nachhaltige Verhalten nicht auf den Fairen Handel beschränkt werden darf, sondern weit darüber hinausgehen muss.

„Faires Denken in den Köpfen der Menschen verankern“

 In anschließenden Workshops zu den Themen „Design Thinking“, „Faires Stadtmarketing“ und „Faire öffentliche Beschaffung“ entwickeln die Teilnehmer*innen gemeinsam Ideen, um den fairen Gedanken weiter zu verbreiten und das Konzept der Fairen Metropole Ruhr weiter umzusetzen. „Wir haben aus gutem Grund das gesamte Ruhrgebiet als unser Symbol gewählt. Wir haben schon viel erreicht, aber es gibt noch viel zu tun, um das faire Denken in den Köpfen der Menschen zu verankern“, so Vera Dwors aus dem Vorstand des Netzwerks Faire Metropole Ruhr. In Arbeit ist zum Beispiel schon ein KinoTrailer, der auf die Arbeit der Fairen Metropole Ruhr aufmerksam macht.

„Es ist schön zu sehen, dass wir mit der Veranstaltung so viele Menschen im Netzwerk erreichen konnten und wünsche mir, dass daraus viele Synergien entstehen, auf denen wir weiter aufbauen können.  Außerdem freut es mich, das Thema "Fairer Handel" im Rahmen dieser Veranstaltung von neuen Perspektiven aus betrachten zu können. Vor allem, dass die Idee des Fairen Handels als Standortfaktor auf wissenschaftliches Interesse gestoßen ist und an Relevanz gewinnen kann“, sagt Projektleiterin Mariam Stauer, die die Veranstaltung gemeinsam mit Lisa Horstkamp geplant und organisiert hat.

Das Netzwerk Faire Metropole Ruhr hat mit seiner kontinuierlichen Arbeit seit 2008 ein Alleinstellungsmerkmal im Ruhrgebiet geschaffen und wurde 2013 als erste Großregion Deutschlands und erster Städteverband weltweit als „Faire Metropolregion“ ausgezeichnet.